Bericht vom Kreis-Anzeiger vom 18. März 2008

"In eigener Gemeinde vermisse ich etwas die Begeisterung"
Jahreshauptversammlung beim Männergesangverein - Ehrungen langjähriger Mitglieder - Junger Chor New Inspiration ist Aushängeschild

WOLFERBORN (ten). In lockerer Atmosphäre hielt der Männergesangverein Wolferborn jetzt seine Jahreshauptversammlung ab. Zum Auftakt sang der junge Chor New Inspiration unter der Leitung von Michael Habermann. Dabei beeindruckte besonders das mehrstimmige Arrangement eines Beatles-Titels.
Für ihre langjährige Mitgliedschaft wurden am Abend Herrmann Appel, Dr. Reinhold Brandner und Lothar Kircher geehrt, die seit 25 Jahren dem Verein angehören. Für ihre 40-jährige Mitgliedschaft wurde Rudolf Mickler, Karl-Heinz Herdt, Karl-Heinz Sauer, Paul Sauerwein und Dieter Reutzel gedankt. Bruno Keiser wurde für 50 Jahre Mitgliedschaft geehrt. Dass mit Werner Helwig, Karl Lohrey, Helmut Kling, Theo Schmück, Karl Kleissl und Robert Muth immerhin sechs Mitglieder für 60 Jahre Mitgliedschaft geehrt wurden, belegt, wie sehr sich viele dem Verein verbunden fühlen.


Diese Mitglieder wurden bei der Jahreshauptversammlung für langjährige Treue zum Verein geehrt. Bild: Potengowsk


Bei zahlreichen Gelegenheiten sang der Männerchor im vergangenen Jahr, typisch waren Ständchen bei Familienfeiern. Höhepunkt war das Konzert "Europamelodien", für das Helmut Roth besonders dem Chorleiter Wolfgang Häfner und seinem Partner als Vorsitzenden, Heinz Muth, für die gelungene Moderation dankte.
Der junge Chor blickte auf 13 öffentliche und fünf vereinsinterne Auftritte zurück. "Durch die beiden Chorgruppen ist die Präsenz unseres Vereines in der Öffentlichkeit deutlich größer geworden", freute sich Roth. Viele Anfragen für öffentliche Auftritte bei Festkommersen, Firmenfeiern und Kirchenfesten seien Beleg für die Anerkennung. Auch für das laufende Jahr haben beide Chöre bereits zahlreiche feste Termine. "In der eigenen Gemeinde vermisse ich leider etwas von der Begeisterung, die uns außerhalb des Dorfes entgegengebracht wird", erklärte der Vorsitzende. Enttäuscht habe ihn besonders der Auftritt bei der Silbernen Konfirmation und die Resonanz auf das Adventssingen. In diesem Jahr versucht der Verein die Tradition wiederzubeleben. "Wenn das in diesem Jahr ähnlich ist, werden wir gleich zu Glühwein und Würstchen übergehen", zeigte sich Roth entschlossen.
"Eine stolze Zahl" von 143 Mitgliedern, die sich leicht nach oben entwickelt hat, vermeldete der Vorsitzende. Dabei wurden vor allem in den Nachbargemeinschaften neue Mitglieder gewonnen. Mit 37 Sängern hat der junge Chor inzwischen fast doppelt soviel Aktive wie der Männerchor, der 20 Sänger zählt. Ein Problem bleibt die Altersstruktur. Deshalb forderte Roth die Mitglieder auf: "Macht Werbung für unseren Verein und sprecht ehemalige Sänger und junge Männer an."
Abschließend kam er auf das ungewöhnliche Modell des Vereins mit zwei gleichberechtigte Vorsitzenden zu sprechen. "Es gibt andere Chöre, die fragen uns, wie macht Ihr das nur?", berichtete Roth. Dass das Modell funktioniert, ist ein Zeichen für die gute Stimmung im Verein. Als Beleg können auch die beiden erfolgreichen Konzerte des vergangenen Jahres gelten. "Welcher Verein in der Umgebung hat zweimal in einem Jahr ein volles Haus gehabt?", fragte Roth voller Stolz.
Die beiden Konzerte haben trotz der erheblichen Abzüge für Hallenmiete und Abgaben der Vereinskasse gut getan, berichtete Kassenwart Frank Muth. Der Verein hat das Haushaltsjahr nach drei Jahren erstmals wieder mit Gewinn abgeschlossen.
Chorleiter Michael Habermann wies auf die Bedeutung der Mitgliederwerbung für den Verein hin. "Nicht nur der Männerchor klagt über einen Mangel an jungen Leuten. Was uns fehlt, sind junge Leute um die 30." Dabei müsse man vor allem auch in Wolferborn präsenter werden. "Hier sind die vier ersten Bässe, die Euch zuletzt abhanden gekommen sind", wandte sich Habermann an den Männerchor. Deshalb müsse man das Repertoire auch an die Wünsche neuer Mitglieder anpassen. Der Männerchor habe sich der Bewahrung der Tradition verschrieben.
Habermann bedankte sich bei seinem jungen Chor für das große Engagement, obwohl er ihm manchmal viel abverlangt habe. "Wer so viel probt und dann noch die Zeit findet, die Halle zum Konzert so zu dekorieren", stehe hinter dem Verein. Diese Arbeit sei übrigens auch direkt nach dem Konzert weitergegangen. Während er Motorrad gefahren sei, hätten die Sänger schon die ersten Bilder vom Konzert ins Internet gestellt. Vorbildlich sei die Zusammenarbeit mit den beiden Vorständen.
Im Ausblick für das laufende Jahr erklärte Roth, dass der Männerchor in diesem Jahr keine eigene Veranstaltung durchführe, da es gelte, das 125-jährige Bestehen im nächsten Jahr vorzubereiten. Zum Schluss kam Roth noch mal auf die Zukunft des Vereins und die Nachwuchsfrage zu sprechen. "Wird auch dieser Teil des Vereins bestehen bleiben?", fragte Roth mit Blick auf den Männerchor. "Die Frage ist nicht, ob er fortbestehen wird, sondern in welcher Konstellation der Männerchor weiterleben wird." So sei eine Zusammenarbeit mit Chören aus den Nachbargemeinden denkbar, wie sie anderswo schon erfolgreich praktiziert werde.